Gott im eigenen Leben erfahren - wie ist das möglich? Ein persönlicher Erfahrungsbericht

Schon seit Jahrzehnten bewegt diese Frage viele Mitglieder der Gemeinde jeweils an einem besonderen Wochenende im Herbst. Dazu machten sie sich in die stille Atmosphäre unterschiedlicher Klöster auf, um sich aus verschiedenen Perspektiven heraus dieser Thematik zu nähern.

Durch biblische Impulse angeregt, konnte jeder Teilnehmende verschiedene Fragen des Glaubens für sich selbst bearbeiten und die persönlichen Ergebnisse in die Gemeinschaft einbringen.

Für mich war dieses Wochenende mit der Zeit zu einem festen Element im Jahr geworden, dem ich stets mit viel Vorfreude entgegen fieberte. Wie viele unzählige Erkenntnisse hat mir diese besondere Reflexionszeit gebracht! Es gab Momente in der Stille, in denen ich Gottes Barmherzigkeit in meinem Leben erkannte. Ich vergoss Tränen aus Betroffenheit und Dankbarkeit und fühlte ein Erzittern vor der Allmacht und Herrlichkeit Gottes. Daneben konnte ich meinen Blick auf die Natur richten und Entdeckungen in Details machen.

So manches Foto, das ich an diesen Orten machte, passte nach meinem Empfinden ganz genau zu den Fragen und Erkenntnissen, die ich gewann. Ja, ich genoss diese wertvolle Möglichkeit des Nachdenkens und der Rückschau auf mein Leben. Es wurde mir zu einer besonderen Zeit des Innehaltens und Betens.

Aber das war noch nicht alles. Im Kloster gab es auch noch die gemeinsamen Essenszeiten, Spaziergänge und den „Klosterkeller“. Dort konnte persönlicher Austausch stattfinden und zusammen eine fröhliche Gemeinschaft entstehen.

Mir gefielen außerdem meditative Impulse, Anregungen zur Stille, gemeinsamer Lobpreis und ganz besonders auch Angebote zum kreativen Gestalten. Damit konnte der Inhalt in ganzheitlicher Weise erlebbar werden.

In diesem Jahr prägte das Wochenende die Auseinandersetzung zum Thema „Heiliger Geist“. Als wesentlicher Part der Trinität Gottes ist das ein viel zu großes Ziel für ein Wochenende, um jeden Aspekt in aller Tiefe zu erörtern. Und jeder Einzelne brachte zudem seine persönlichen Fragen und Hoffnungen mit.

Andreas Müller lenkte am Freitagabend die Aufmerksamkeit zunächst auf biblische Aussagen zum Heiligen Geist aus dem Alten Testament, die aus der Perspektive des Neuen Testaments eher irritierend andersartig wirken. Da erhält z.B. Simson im Buch der Richter durch den Heiligen Geist übernatürliche Kräfte. Dieser war aber eigentlich gar kein Mensch, der sich im Glauben vorbildlich verhielt. Doch konnte letztendlich durch ihn das Volk lernen, wie kraftvoll und segensreich, sich ein Leben im Vertrauen auf Gott auswirkt. Der Heilige Geist ermöglichte, dass sich das Volk fremden Kulturen nähern konnte, ohne seine eigene Identität im Gottesglauben zu verlieren. Ich staune darüber und bedenke gegenwärtige Strömungen des modernen Zeitgeists, die ich im Licht des Heiligen Geistes betrachten möchte.

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